TV-Interview zeigt: Frauke Petry ist einer inhaltlichen Diskussion nicht gewachsen

Der britische Journalist Tim Sebastian konfrontierte die Chefin der Alternative für Deutschland (AfD) mit den Aussagen ihrer Partei. Die versuchte sich herauszureden und mit Vorwürfen zu kontern – und scheiterte kläglich.

„Ich werde die Fragen stellen, die ich stellen möchte, denn das ist, was eine freie Presse tut.“ Der Moderator lässt sich nicht auf das Spiel der AfD-Chefin ein, die  auf inhaltliche Kritik routiniert mit der Unterstellung reagiert, die Medien hätten ihr die Worte im Mund verdreht, um der rechten Partei zu schaden. Tim Sebastian hat seine Hausaufgaben gemacht und fragt, bis er eine Antwort bekommt.

Und so bleiben der politischen Quereinsteigerin nur absurde Ausflüchte, wie die Behauptung, sie habe zwar gefordert, dass an der Grenze geschossen werden sollte, aber nie gewollt, dass dabei Flüchtlinge getroffen werden. Wie genau das funktionieren soll, bleibt ein Rätsel, ebenso wie die AfD-Position zur Pegida-Bewegung, mit der Petry zwar irgendwie kollaborieren will aber irgendwie auch nicht.

Tim Sebastian hatte schon schwierigere Sparringspartner. In den 1980er Jahren arbeitete er als Auslandskorrespondent für die BBC in Warschau, Moskau und Washington D.C. In dem Format HARDtalk prägte er von 1997 bis 2004 den harten Fragestil, der sich jetzt auch in seiner Sendung Conflict Zone im englischsprachigen Programm des deutschen Auslandsfernsehens Deutsche Welle zeigt.


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Der Gegensatz dieses Interviewstils zu den seichten TV-Talkshows des deutschen Free-TV könnte kaum größer sein. Regelmäßig gelingt es dort AfD-Politikern wie Frauke Petry, Beatrix von Storch oder Bernd Höcke, mit letztlich inhaltsleeren Provokationen zu polarisieren. Eine geleakte interne Email zeigte kürzlich, dass dahinter eine bewusste Medienstrategie steckt. Die Erfolge bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg deuten darauf hin, dass diese Strategie aufgeht.

Die AfD möchte von den etablierten Medien dämonisiert werden, weil sie sich so vor den Enttäuschten und Frustrierten als Opfer einer großen Verschwörung darstellen kann. Auf der Jagd nach der nächsten spektakulären Schlagzeile spielen allzu viele Journalisten dabei genau die Rolle, die ihnen zugewiesen wird, anstatt ruhig und sachlich ihre Arbeit zu machen. Tim Sebastians Interview zeigt hingegen, wie entlarvend ein intelligenter und konfrontativer Umgang mit dem Rechtspopulismus sein kann.
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Foto oben: Screenshot Youtube