Die Künstlerin Tracey Emin hat einen Stein geheiratet, weil sie ihn liebt

Anfang der Woche gab die britische Künstlerin bekannt, dass sie bereits seit dem vergangenen Sommer mit dem Objekt verheiratet ist. „Ich liebe den Stein wirklich“, sagte sie Reportern in Hongkong.

Schockierend ist das nicht. Weder Objektophilie, also die Liebe zu Gegenständen, ist wirklich neu, noch eheliche Verhältnisse mit ihnen. Die Schwedin Eija-Riitta Eklöf-Berliner-Mauer ist nach eigenen Angaben bereits seit 1979 mit der Berliner Mauer verheiratet. Doch Tracey Emin möchte wohl auch nicht schockieren. Es ist viel Zeit vergangen, seit ihre kontroverse Installation My Bed 1998 polarisierte. Das ungemachte Bett inklusive Schmutz und benutzten Kondomen machte zuletzt Schlagzeilen, als es 2014 bei Christie’s versteigert wurde – für 2,54 Mio. Britische Pfund (ca. 3,2 Mio. Euro).

Die ehemalige „Skandalnudel“ (Fachmagazin Brigitte), die weiterhin ihre eigene Biografie in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellt, hat sich inzwischen als Mitglied der Royal Academy of Arts und Commander des Ritterordens Order of the British Empire zu einem in Neonfarben leuchtenden Aushängeschild des britischen Kultur-Establishments entwickelt. Emin bekannte sich Anfang der Woche auf einer Pressekonferenz zu ihrer Liebe zu dem Stein, der vor ihrem Studio in Südfrankreich steht. Der Künstlerin zufolge wurde die Ehe bereits im Sommer letzten Jahres geschlossen.


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Die Pressevertreter waren zur Eröffnung von I Cried Because I Love You angereist, Emins aktueller Ausstellung in Hongkong im Rahmen der Art Basel. „Es ist eine Metapher“, erklärte Irene Bradbury von der Galerie White Cube gegenüber Journalisten, die mehr über die Partnerwahl der Schöpferin der Longchamp-Handtasche International Woman (2004) wissen wollten. Emin selbst beschrieb die Idee als spontan entstanden: Sie habe zufällig einen Ehering gefunden und aus Aberglauben gedacht, sie müsse heiraten, um ihn behalten zu können. Warum also nicht den Stein, der gerade da war?

Das klingt vollkommen logisch, wenngleich nicht bekannt ist, wie der Stein dazu steht. Womöglich ist die Objektehe ein richtungsweisendes Konzept 34 Jahre nach Niklas Luhmanns Liebe als Passion. Die Liebe erscheint losgelöst von der zwischenmenschlichen Intimbeziehung und damit gleichsam von jeder Erwartungshaltung und allem Druck befreit. „Ich schütte Liebe in Dinge und Leute“, sagte Tracey Emin der South China Morning Post zufolge, „egal, was es ist, leidenschaftlich, aber auch ohne zu erwarten, dass sie erwidert wird. Ich akzeptiere, dass es so ist, da bin nur ich und ich gebe.“

Foto unten: Tracey Emin: Love me-me-me (1997) Flickr | Elsa López | CC 2.0

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Foto ganz oben: Sicher ein liebenswerter Stein, aber nicht der Gatte von Tracey Emin.
Flickr | Steve Parker | CC 2.0