Selten war Straßenfotografie so dirty wie bei ‘Dirty Harrry’

Charalampos Kydonakis ist „Dirty Harrry“. Die Momentaufnahmen des griechischen Straßenfotografen zeigen skurrile, oft auch verstörende Szenen. Was da eigentlich los war, will mancher Betrachter wohl gar nicht so genau wissen.

Vor dem entsetzten Auge blitzen Menschen und Situationen auf. Dann verschwinden sie wieder, lassen den Voyeur verwirrt zurück. Könnte es sein, dass dieser Gesichtsausdruck oder jene Geste auf etwas Verborgenes hindeuten? Geheime Obsessionen und Begierden treten in einem Augenblick der Überrumpelung an die Oberfläche, nur um dann ganz schnell wieder in der Tiefe zu verschwinden. Aber vielleicht sah das ja auch nur so aus. Vielleicht war da ja gar nichts. Nur ein Effekt, eine optische Täuschung.

„Manche Dinge erregen meine Aufmerksamkeit, dann versuche ich sie einzufangen, bevor sie verschwinden“, schreibt mir Charalampos Kydonakis in einer Email. Kydonakis benutzt zumeist ein sehr starkes Blitzlicht, auch am Tage. „Ich möchte mein eigenes Licht erschaffen und unabhängig sein vom Tageslicht.“ Im Gegensatz zu vielen anderen Fotografen hat er keine Bedenken, eine Beleuchtung einzusetzen, die den Sehgewohnheiten des Menschen fundamental widerspricht. Anstatt Natürlichkeit zu simulieren, stellt Dirty Harrry die Brutalität der Momentaufnahme ins Zentrum seiner Arbeit. „Ich mag einfach keine Einschränkungen, vielleicht liegt es daran.“

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Die meisten Bilder entstehen in seiner Heimat, auf der griechischen Insel Kreta. Doch die Jagd nach neuen Motiven treibt den Fotografen auch in die europäischen Metropolen. Zwei Fotos dieser Slideshow beispielsweise schoss er in Berlin. Nicht aus jeder Situation entstehe ein Bild von eigenem Wert, meint Dirty Harrry: „Manchmal bedeutet Fotografie, aus einem ‚Nichts‘ ein ‚Etwas‘ zu machen.“ Was ‚Etwas‘ ist und was nicht, das muss der Betrachter am Ende selbst wissen.

Mehr (viel mehr) von Charalampos Kydonakis gibt es auf seiner Website , seinem Blog oder auf Instagram.

Alle Fotos: © Charalampos Kydonakis