“Marsch für das Leben”: Abtreibungsgegner, AfD und nackte Hintern

Die AfD-Politikerin Beatrix von Storch marschierte auch 2016 vorn mit bei der Anti-Abtreibungsdemo “Marsch für das Leben”. Die krude Prozession endete mit einem ökumenischen Gottesdienst vor dem Reichstag. Linke Gegendemonstranten provozierten und störten, so laut sie konnten.

„Wir sind die Moderne, wir sind euch auf den Fersen!“, riefen die linken Antifas den fundamentalistischen Christen entgegen. Etwa 6000 Abtreibungsgegner zogen laut Polizei am Samstagnachmittag auf einer weiträumig abgesperrten Route durch die Innenstadt. In der ersten Reihe lief wie im letzten Jahr die umstrittene AfD-Politikerin Beatrix von Storch. Auch der katholische Berliner Erzbischof Heiner Koch nahm teil. Die Gegenveranstaltungen zogen etwa 1500 Menschen an.

Die Abschlussveranstaltung vor dem Reichstag wurde von der christlichen Schmuse-Soul-Combo ‚Gnadensohn‘ musikalisch untermalt. „Herr, komm in mir wohnen“, trällerte deren Sänger Karsten Schmidt, „lass mich dich erblicken und vor dir mich bücken.“ Freiwillige Helfer verteilten derweil kostenlose Brezeln unter den Teilnehmern. Kurz danach kamen sie mit Klingelbeuteln wieder. In seiner Rede forderte der Demoorganisator Martin Lohmann dazu auf, für die Gegendemonstranten zu beten „denn sie wissen nicht, was sie tun.“

Marsch für das Leben: Ein Stelldichein der christlichen Rechten

Beatrix von Storch von der AfD plauderte derweil neben der Bühne mit Hedwig von Beverfoerde. Die beiden adligen Aktivistinnen engagieren sich in mehreren Lobbygruppen gegen die „Homo-Ehe“, Gender-Mainstreaming und Sexualaufklärung an Schulen. Im Publikum war auch Annette Schultner zu sehen, die Chefin des Arbeitskreises „Christen in der AfD“. Wie in den Vorjahren endete die Veranstaltung mit einem Gottesdienst. In seiner Predigt kritisierte der katholische Bischof Rudolf Voderholzer eine „nihilistische Kultur des Todes“ in unserer Gesellschaft.

Einige linke Protestierer hatten sich unter die Christen gemischt und störten mit Rufen wie „Kein Gott, kein Staat, kein Patriarchat!“. Diese schwarzen Schafe wurden recht unsanft hinaus geschoben und der Polizei übergeben, die sie hinter die Absperrungen geleitete. Dort spielte ein Soundsystem elektronische Musik, Queer-Feministinnen zeigen Parolen wie „Ficken statt beten“. Ein junger Mann bückte sich auf seine Weise vor Gott und präsentierte den bibeltreuen Christen seinen nackten Arsch.

Die hohen Teilnehmerzahlen beim “Marsch für das Leben” zeigen die Stärke und das wachsende Selbstbewusstsein der religiösen Rechten in Deutschland. Die Abtreibungsthematik vereint Aktivisten unterschiedlicher Strömungen. Einige AfD-Politiker bemühen sich aktiv darum, das Milieu für ihre Partei zu gewinnen. Das zeigt auch das Grundsatzprogramm der Partei, in dem eine „Willkommenskultur für Neu- und Ungeborene“ gefordert wird – eine typische Parole der Lebensschützer.

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Die Band ‘Gnadensohn’ spielt christlichen Schmusesound

Fotos: © Christoph Kluge