Donna Wan fotografiert Orte, an denen Menschen Suizid begangen haben

Für ihre Serie „Death Wooed Us“ hat die US-amerikanische Landschaftsfotografin Donna Wan Orte aufgenommen, an denen Menschen Selbstmord begangen haben. Die Bilder üben eine unfassbare Sogwirkung auf den Betrachter aus.

Die Golden Gate Bridge in San Francisco ist eine berüchtigte Stätte von Selbstmorden. Dem Buchautor John Bateson zufolge sind dort seit den 1930er Jahren über 1.700 Suizidtote aufgefunden worden. Die Dunkelziffer sei deutlich höher, behauptet Bateson, denn wenn die Leiche nicht obduziert werden kann, wird auch die Ursache nicht eindeutig erfasst. Springt ein Mensch von der Brücke, dann trifft sein Körper mit einer Geschwindigkeit von über 120 km/h auf die Wasseroberfläche. Todesursache ist häufig eine Kombination aus schweren Verletzungen an Schädel oder inneren Organen und Ertrinken im Salzwasser, mit oder ohne Bewusstsein.

Donna Wan, die in der Region um San Francisco lebt, hat zahllose Fälle recherchiert und versucht, den persönlichen Tragödien dahinter auf die Spur zu kommen. Dabei sei sie auch auf die Geschichten weniger bekannter Orte gestoßen, schreibt sie mir in einer Email. Ihre Sichtweise auf Stinson Beach etwa, einen der reizvollsten und bei Touristen beliebtesten Strände der Bay Area, habe sich gewandelt, als sie davon erfuhr, dass sich ein Mann an einem Baum in der Nähe erhängt hat. Sie fragte sich, ob er ausgerechnet diesen Ort für seinen Freitod gewählt haben könnte, weil er ihn ebenso schön fand wie sie.


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Den größten Eindruck habe jedoch Seacliff Beach auf sie gemacht, schreibt die Fotografin, den sie vor ihrer Recherche nicht aus eigener Anschauung kannte. Während sie die wundervolle Landschaft fotografierte, musste sie an die Geschichte eines Teenagers denken, der dort 2013 aufgefunden wurde und einen Abschiedsbrief hinterlassen hatte. Die Eltern des Jungen lebten in der unmittelbaren Nähe, er war mit dem Fahrrad dorthin gefahren, um sein Leben zu beenden. Der Blick der Eltern auf den Strand müsse sich durch die Tragödie tiefgreifend verändert haben, stellte sich Donna Wan vor, die selbst Mutter ist. Sie würden die Schönheit der Natur vermutlich nie wieder genießen können.

Nach der Geburt ihrer Tochter habe sie selbst an einer postpartalen Depression und Suizidgedanken gelitten, schreibt die Künstlerin, auch die habe sie in ihren Bildern verarbeitet. In dieser Zeit habe sie die Faszination der kalifornischen Küste entdeckt. „Death Wooed Us“ zeigt deren Landschaften in einer Panorama-Perspektive, die auf verborgene Geschichten hinweist, als würden wir die erste Einstellung eines Filmes sehen, der dann doch nicht erzählt wird. Eine traumartige Schleierhaftigkeit umhüllt alles Erkennbare und übt einen regelrechten Sog auf den irritierten Betrachter aus. Isolation und Beklemmung sind geradezu greifbar, aber auch eine süße Ahnung von erhoffter Erlösung. So sehr wir uns auch bemühen: Was hinter dem Nebel liegt, erfahren wir nicht.

Weitere Arbeiten von Donna Wan sind auf ihrer Homepage zu sehen.

 

 

Stinson Beach (2013)
Stinson Beach (2013)

 

Seacliff Beach (2014)
Seacliff Beach (2014)

 

Golden Gate Bridge (2013)
Golden Gate Bridge (2013)

 

Golden Gate Bridge (2013)
Golden Gate Bridge (2013)

 

Dumbarton Bridge (2014)
Dumbarton Bridge (2014)

 

Dumbarton Bridge (2012)
Dumbarton Bridge (2012)

 

Alle Fotos: © Donna Wan