Die Orientierung verlieren: die surrealen Bildwelten von Paul Hoi

In zwei sehr unterschiedlichen Serien setzt sich der Fotograf Paul Hoi mit Kontrolle und Kontrollverlust auseinander. Seine Bilder suchen die Grenze zwischen Klarheit und Orientierungslosigkeit – und finden Freiheit, ausgerechnet dort.

Die Vorstadt stand einmal sinnbildlich für den Traum der US-amerikanischen Mittelschicht nach einem ordentlichen, anständigen Leben in Wohlstand. Mag der Mythos auch selten gehalten haben, was er versprach, auf manchen Einwanderer wirkt suburbia bis heute verlockend. Der Fotograf Paul Hoi jedoch zeigt die Vorstadt als erbarmungslos kalten Nicht-Ort. Auf den Bildern seiner Serie ‚Rohnert Park‘ verschwinden die Details, alle Spuren des Lebens und der individuellen Geschichte lösen sich auf. Der desorientierte Mensch verliert sich in der Totalität der Norm. Doch Elemente der Unordnung – fliegende Blätter oder wildwachsende Pflanzen – deuten auf die Vergänglichkeit auch dieser Normalität hin, die Möglichkeit der Verwandlung des non-lieu in einen Ort, der Leben zulässt.

 

 

Im Gegensatz zur Serie ‚Rohnert Park‘, bei deren Umsetzung er sich einem strengen Konzept unterordnete, verzichtete Hoi bei ‚Psychedelia: Polaroids From Iceland‘ von 2014 beinahe vollkommen auf eine direkte Kontrolle des Entwicklungsprozesses. Die Bilder entstanden auf abgelaufenem Polaroid-Film, was zu unvorhersehbaren, surrealen Effekten führte. Er sei einige Wochen im Jeep auf Island unterwegs gewesen, schreibt mir Hoi in einer Email, und habe aufgrund der sehr unterschiedlichen Landschaften und wechselnden Mikroklimata häufig die Orientierung verloren. „Ich denke, es ist wichtig, generell nicht zu fixiert zu sein auf Ablauf, Film oder Ausrüstung. Ich muss flexibel sein beim Versuch, das richtige Bild zu kriegen, die Kunst zu machen, die ich machen will.“

Mehr von Paul Hoi auf seiner Website.

 

 

Alle Bilder: © Paul Hoi


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