Die neuen Barbaren: “Exodus” von DJ Stalingrad an der Berliner Volksbühne

Endlose Exzesse in einer trostlosen Welt ohne Sinn, die von Gewalt, Drogen und Punkrock bestimmt wird. Die Volksbühne bringt den Roman Exodus des russischen Anarchisten DJ Stalingrad auf die Bühne.

„Wir sind die Listigsten, die Aktivsten, die Unverschämtesten. Wir sind die Koliken im Enddarm der Zivilisation. Wir sind die neuen Barbaren. Die Zukunft Europas, die natürliche Hoffnung der Welt.“

Eisenstangen kommen zum Einsatz, Knochen und Schädel brechen, wenn die „letzten Sowjetmenschen“ ihrer Frustration angesichts der allgegenwärtigen Sinnlosigkeit Ausdruck verleihen. Ständig unter Druck, am Rande des Nervenzusammenbruchs, zwischen Drogenkonsum, improvisierten Punkkonzerten und der nächsten Schlägerei. Piotr Silaev (aka DJ Stalingrad) beschreibt eine linksradikale Subkultur, die von political correctness noch nie gehört hat. Diese Menschen sind überflüssig, aber keine Helden ihrer Zeit oder irgendeiner anderen.

DJ Stalingrad – der Nihilist der Stunde

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Silaev hat seinen Roman 2008 in Griechenland geschrieben und die erste Auflage im Selbstverlag herausgebracht, 2011 veröffentlichte die russische Literaturzeitschrift Snamja einen Auszug. Danach folgte das Taschenbuch im Verlag Moskva. Zwei Jahre später erschien Exodus bei Matthes & Seitz auf Deutsch. Heute lebt der Autor im Exil, weil die russischen Behörden ihn mit Haftbefehl suchen. Offizielle Begründung ist seine Teilnahme an einer Demonstration gegen eine Waldrodung nahe Moskau, bei der Miliz und Verwaltungsgebäude mit Steinen attackiert worden waren.

Jetzt inszeniert Sebastian Klink Exodus an der Volksbühne, im Rahmen der „Schwarzen Serie“. Alexander Scheer rennt und schreit und prügelt sich in der Rolle des Protagonisten, der „Ivan“ genannt werden möchte, durch den brachialen Nihilismus der Textvorlage. Bizarre Geschichten, unterbrochen von Punkrock- und Hardcore Klassikern, dargeboten von einer Band, die für das Stück gegründet wurde. Einen roten Pfaden gibt es nicht, aber Blut. Und Schmerz. Und Blut. Und Schmerz.

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Bild oben: Screenshot Vimeo