Ausgegrenzt. Queer People in Russland, fotografiert von Natalie Maximova

Schmerz, Einsamkeit und Mut. Die Portäts der Moskauer Fotografin Natalie Maximova zeigen Personen aus der an den gesellschaftlichen Rand gedrängten LGBTI-Community in Russland als verletzliche und zugleich unvorstellbar starke Individuen

In Russland ist es mitunter lebensgefährlich, anders zu sein. Gewalt gegen homosexuelle und queere Menschen wird von den staatlichen Behörden kaum verfolgt. Seit Putins Rückkehr ins Amt 2012 und dem Erlass eines Gesetzpaketes gegen „homosexuelle Propaganda“ auf föderaler Ebene Anfang 2013 hat sich die Situation erheblich verschärft. Konservative Politiker und Publizisten stellen die staatlich geförderte Diskriminierung von Minderheiten als geopolitische Verteidigungsmaßnahme gegen einen angeblichen Angriff des als “Gayropa” diffamierten Westens auf die russische Identität und Normalität dar. Ein gravierender Effekt der kulturellen Abschottung ist, dass die ausgegrenzten Personen nicht mehr als menschliche Individuen wahrgenommen werden.

Natalie Maximova hatte mit der Recherche zu ihrem Projekt “True Self” bereits vor der Einführung der repressiven Gesetze und der internationalen Debatte darum begonnen. Doch auch damals bereits äußerten viele queer people Angst, sich offen vor der Kamera zu zeigen, schreibt die Moskauer Künstlerin in einer Email. Schritt für Schritt lernte sie immer mehr Personen aus der LGBTI-Community kennen und einige waren bereit, sich fotografieren zu lassen. Die meisten der Porträtierten leben in St. Petersburg oder Moskau, kommen aber aus anderen Regionen der Russischen Föderation. Ihr Mut und ihre Ehrlichkeit hätten sie beeindruckt, schreibt Maximowa. Einigen Bildern hat sie ein Zitat beigefügt, das im Gespräch geäußert wurde.

“True Self” ist noch bis 23. Dezember im Rahmen des Nordwind-Festivals und der Ausstellung “Balagan!!!” im Kühlhaus am Gleisdreieck in Berlin zu sehen. Weitere Arbeiten von Natalie Maximova sind auf ihrer Homepage zu finden.

 

Alexander, 33 Jahre, Transgender (FTM)
Alexander, 33 Jahre, Transgender (FTM)

“Aus meiner Kindheit erinnere ich nur Schmerz, Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit…”

Alexander arbeitet als Büroleiter und lebt in einer bürgerlichen Ehe mit einer Transgender-Frau.

 

Alexandra, 27 Jahre, Transgender (MTF)
Alexandra, 27 Jahre, Transgender (MTF)

“Das Leben besteht nicht nur aus Vergangenheit. Neue Freunde werden kommen und sie werden dich anders wahrnehmen.”

Alexandra kam aus dem Norden Russlands nach St. Petersburg, weil ihre Eltern und Freunde sie weder verstehen noch akzeptieren konnten. Ihr Pass weist sie immernoch als männlich aus.

 

Boris, 21 Jahre, androgyn
Boris, 21 Jahre, androgyn

Boris kam aus dem Süden Russlands nach Moskau und möchte Sänger werden. In seiner Heimatstadt musste er sein Aussehen verstecken aus Angst, verletzt oder sogar getötet zu werden.

 

Denis, 19 Jahre, Transgender (FTM)
Denis, 19 Jahre, Transgender (FTM)

“Das Bemerkenswerteste an der Umwandlung war der erste Schuss! Ich war dabei so ungeschickt, dass es eine Woche lang weh tat. Ich hatte wirklich Angst.”

Denis begann vor einem Jahr selbst mit der Hormonbehandlung, ohne dabei medizinische oder psychologische Unterstützung zu erhalten.

 

Wladimir, 23 Jahre, Drag Queen, Künstlername: Veronica
Wladimir, 23 Jahre, Drag Queen, Künstlername: Veronica

Wladimir ist Drag Queen geworden, um damit Geld zu verdienen. Er versucht, den Bühnencharakter im wirklichen Leben nicht zu zeigen, aber sein Benehmen und seine Gesten sind viel femininer geworden.

 

Nastya, 46 Jahre, Transgender (MTF)
Nastya, 46 Jahre, Transgender (MTF)

“Vor einigen Jahren stellte ich fest, dass es unmöglich ist, vor mir selbst davonzulaufen.”

Nastya arbeitete früher als Lokführer und hatte bereits zwei Kinder – eine Tochter (10) und einen Sohn (19) – als sie sich für die Geschlechtsangleichung und ein neues Leben entschied.

 

Alle Fotos: © Natalie Maximowa


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