Auf der Flucht vor dem Chor: ‘Service / No Service’ an der Volksbühne

Rene Pollesch setzt das Volksbühnen-Publikum auf den inzwischen asphaltierten Boden des Großen Hauses. Dort kauernd wird es mit einer Fülle von Behauptungen konfrontiert, die wirklich erst einmal verdaut werden wollen.

Keine Sitzgelegenheiten, kein Service, nur eine schiefe Ebene aus Asphalt. Eine Schauspielerin, die angeblich aufgehört hat zu reden (Kathrin Angerer), monologisiert über die Entstehung und den Untergang der Welt, der – das behauptet sie – für den Menschen heute ja nichts mehr mit dem eigenen Tod zu tun habe. Doch die Künstlerin wird fortwährend bedrängt vom Chor, der neuerdings Regie führt, sie mit jugendlicher Energie vor sich her treibt und terrorisiert.


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In Polleschs aktuellem Stück denkt das Theater über sich selbst und seine Rolle nach, den Druck, irgendwie relevant zu sein. Und authentisch. Muss man wirklich immer etwas zu sagen haben? Wenn ja, dann etwas Politisches oder eher aus dem Privatleben? Wenn die Kunst sich von der Masse treiben lässt, dann kann eine Schauspielerin, die eigentlich eine Tragödie spielen soll, doch auch nach Hause gehen, bevor das Stück zu Ende ist. „Ist doch egal. Die Scheiße wird ja eh übertitelt.“

Eine Vielzahl von Thesen wird dem Publikum zwischen die Füße geworfen, auf die Straße, die natürlich gar keine ist, sondern eine Kulisse. Das Zu-Ende-Denken gehört aber bis auf Weiteres nicht zum Service. Zum Glück.

Foto oben: © LSD | Lenore Blievernicht